Zweitwohnsitz anmelden – so geht’s

Ein Traumjob fernab der Familie oder ein WG-Zimmer am Studienort – es gibt viele Gründe, warum manche einen Zweitwohnsitz anmelden müssen. Wie das geht und was Sie aufgrund des Nebenwohnsitzes bei der Steuererklärung beachten sollten, erfahren Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

  1. Wer muss einen Zweitwohnsitz anmelden?
  2. Wie funktioniert die Anmeldung des Nebenwohnsitzes?
  3. Welcher Wohnsitz ist der Haupt- und welcher der Nebenwohnsitz?
  4. Was sind die Voraussetzungen für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung?
  5. Welche Kosten kann ich abschreiben?
  6. Was hat es mit der Zweitwohnsitzsteuer auf sich?
  7. Wer ist von der Zweitwohnsitzsteuer befreit?
  8. Welches Finanzamt ist zuständig?

1. Wer muss einen Zweitwohnsitz anmelden?

Alle Personen, die neben dem Hauptwohnsitz eine zweite Wohnstätte beziehen, müssen im Einwohnermeldeamt des jeweiligen Ortes ihren Zweitwohnsitz anmelden. Das funktioniert wie beim Ummelden nach einem Umzug. Wer dies nicht oder zu spät erledigt, muss mit Strafen bis zu 1.000 Euro rechnen, da es in Deutschland eine Meldepflicht gibt. Seit dem 01.11.2015 gibt es für die Anmeldung des Haupt- und Zweitwohnsitzes eine Frist von maximal 14 Tagen nach dem Umzug.

Achtung: Ihr Kraftfahrzeug darf ausschließlich am Erstwohnsitz gemeldet sein, auch wenn Sie es hauptsächlich an Ihrem Nebenwohnsitz nutzen.

2. Wie funktioniert die Anmeldung des Nebenwohnsitzes?

Viele Gemeinden bieten für die Anmeldung des Nebenwohnsitzes im Internet oder im Einwohnermeldeamt ein Formular an, das Sie ausfüllen und unterschreiben müssen. Dieses Formular, auch Meldeschein genannt, fragt unter anderem die Adresse Ihres Haupt- und Nebenwohnsitzes sowie das Einzugsdatum ab. In der Regel müssen Sie persönlich für die Anmeldung des Zweitwohnsitzes im Einwohnermeldeamt erscheinen und folgende Unterlagen mitbringen:

  • Personalausweis oder Reisepass
  • Ausgefüllter Meldeschein
  • Als Mieter: Vermieterbescheinigung (Seit 1.11.2015 Pflicht, um Scheinanmeldungen zu erschweren. Der Vermieter bescheinigt das genaue Einzugsdatum sowie die Adressen und Kontaktdaten beider Parteien)
  • Als Elternteil: Geburtsurkunde der Kinder
  • Heiratsurkunde bzw. Scheidungsurteil

3. Welcher Wohnsitz ist der Haupt- und welcher der Nebenwohnsitz?

Prinzipiell befindet sich Ihr Erstwohnsitz dort, wo Ihr Lebensmittelpunkt liegt. Welche Wohnung das ist, lässt sich oft nicht so einfach beantworten. Allerdings wirkt sich die Unterscheidung zwischen Erst- und Zweitwohnsitz erheblich auf die steuerlichen Abschreibungen aus, die Sie für die doppelte Haushaltsführung geltend machen können.

Beispiele für die Steuer:

  • Sie sind Arbeitnehmer, haben einen Job in einer weiter entfernten Stadt angenommen und beziehen dort eine Wohnung. Ihr Ehepartner lebt weiterhin am ursprünglichen Wohnsitz. Sie wohnen unter der Woche in der neuen Wohnung und an den Wochenenden sowie an Ihren freien Tagen bei Ihrer Familie. Nun stellt sich die Frage: Wo ist Ihr Lebensmittelpunkt? Bei der Familie oder in der neuen Stadt, wo Sie die meiste Zeit verbringen? Die Antwort lautet: Es kommt darauf an. Wenn Sie sich aktiv am ehelichen Haushalt beteiligen und einen starken Einfluss darauf ausüben, ist davon auszugehen, dass Ihr Lebensmittelpunkt bei der Familie liegt und das Amt den partnerschaftlichen Haushalt als Erstwohnsitz akzeptiert. Eine finanzielle Unterstützung des Gatten reicht als Begründung nicht aus. Wenn Sie allerdings unverheiratet sind, könnte das Finanzamt davon ausgehen, dass sich Ihr Lebensmittelpunkt mit der Zeit zunehmend vom partnerschaftlichen Haushalt auf die Arbeitswohnung verschiebt. Bei dieser Einschätzung wird auch die Größe und Ausstattung der Arbeitswohnung herangezogen.
  • Für volljährige Studenten ist die Unterscheidung von Erst- und Zeitwohnsitz ähnlich schwierig wie für Arbeitnehmer. Auch hier entscheidet ihre Mitwirkung am ursprünglichen Haushalt, ob dieser als Hauptwohnsitz angesehen werden kann. Ist der Studienort mehrere hundert Kilometer von diesem entfernt, kann es mitunter schwer werden, den Studienwohnsitz als Nebenwohnsitz geltend zu machen.
  • Bei Minderjährigen mit doppelter Haushaltsführung ist die Unterscheidung einfacher: Der Erstwohnsitz ist grundsätzlich der Wohnsitz der Erziehungsberechtigten. Leben die Eltern getrennt, liegt der Hauptwohnsitz des Kindes bei dem Elternteil, bei dem es die meiste Zeit verbringt.

Achtung: Bitte beachten Sie, dass wir keine Rechtsberatung leisten dürfen. Welchen Wohnsitz das Finanzamt als Erst- bzw. Zweitwohnsitz akzeptiert, ist vom Einzelfall abhängig.

4. Was sind die Voraussetzungen für die Anerkennung einer doppelten Haushaltsführung?

Sie können die Kosten für Ihre Zweitwohnung nur dann steuerlich geltend machen, wenn das Finanzamt diese Wohnung als Zweitwohnsitz anerkennt. Dafür müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Ihr Erstwohnsitz liegt unzumutbar weit vom Arbeitsort entfernt, sodass Sie eine Zweitwohnung in Arbeitsnähe benötigen. Der Zweitwohnsitz darf dabei seit 2014 höchstens halb so weit von der Arbeitsstelle entfernt liegen wie die Erstwohnung.
  • Ihr Lebensmittelpunkt ist nicht Ihr Zweitwohnsitz. Um dies zu beurteilen, ziehen Finanzbeamte folgende Kriterien heran: Ausstattung und Größe der Wohnung, voraussichtliche Dauer der auswärtigen Beschäftigung, Länge und Häufigkeit der Aufenthalte, soziale Kontakte zu Familie und Freunden.
  • Sie tragen mindestens 10 Prozent der laufenden Kosten (Miete, Nebenkosten) des Erstwohnsitzes.

 

5. Welche Kosten kann ich für die doppelte Haushaltsführung steuerlich abschreiben?

Ebenso wie Umzugskosten von der Steuer absetzbar sind, können Sie auch die Ausgaben für Ihren Nebenswohnsitz sturlich geltend machen. Erkennt das Finanzamt Ihre Nebenwohnung als Zweitwohnsitz an, können Sie einen Teil der Nebenwohnungskosten in Ihrer Steuererklärung als Werbungskosten absetzen. Seit 2014 dürfen Mieter und Käufer einer Zweitwohnung maximal 1.000 Euro pro Monat geltend machen.

Diese Ausgaben lassen sich für Ihre Zweitwohnung steuerlich abschreiben:

  • Miete und Nebenkosten
  • Kfz-Stellplatzkosten
  • Kosten für Sondernutzungen, beispielsweise für die Gartenpflege
  • Reinigungskosten für Treppenhaus und Keller
  • Kosten für Müllabfuhr, Straßenreinigung und Schornsteinfeger
  • Rundfunkgebühren
  • Zweitwohnungssteuer
  • Maklerkosten und Kosten für das Schalten von Wohnungsgesuchen
  • Umzugskosten
  • Renovierungskosten
  • Kosten für unverzichtbare Einrichtungsgegenstände wie Bett, Schrank, Küche und Tisch laut eines Urteils des Finanzgerichts Düsseldorf von 2017 (Aktenzeichen 3 K 1216/16 E)
  • Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer
  • Verpflegungsmehraufwand: In den ersten drei Monaten können Sie für jeden Tag, an dem Sie sich an Ihrem Zweitwohnsitz befinden, 24 Euro als Werbungskosten für Ihre Verpflegung ansetzen.
  • Kosten für die Heimfahrt

Käufer einer Zweitwohnung können zusätzlich die jährliche Abschreibung der Anschaffungskosten und die Kredit-Zinsen für den Wohnungskauf steuerlich geltend machen.

6. Was hat es mit der Zweitwohnsitzsteuer auf sich?

Kommunen erhalten für jeden Erstwohnsitz in ihrer Gemeinde einen Steuerausgleich. Dieser Steuerausgleich entfällt jedoch bei den Zweitwohnsitzen. Da auch Bewohner eines Zweitwohnsitzes öffentliche Einrichtungen des Ortes, wie beispielsweise Bibliotheken oder Schwimmbäder, nutzen und die Kommunen diese Einrichtungen instand halten müssen, erheben einige Städte eine sogenannte Zweitwohnsitzsteuer oder Zweitwohnungssteuer.

Grundsätzlich ist die Jahresnettokaltmiete die Berechnungsgrundlage dieser Steuer. Es ist jedoch den Städten überlassen, wie viel Prozent der Jahresnettokaltmiete sie als Zweitwohnungssteuer einfordern. Wer seine Zweitwohnung nicht anmeldet und die Zweitwohnsitzsteuer hinterzieht, riskiert gemäß § 370 der Abgabenordnung eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren.

7.Wer ist von der Zweitwohnsitzsteuer befreit?

Wenn die Kommune Ihres Nebenwohnsitzes eine Zweitwohnsitzsteuer verlangt, kommen Sie in der Regel nicht umhin, diese zu zahlen. Doch einige Personengruppen sind von dieser Steuer ausgeschlossen. Dazu zählen Menschen, die ein Zimmer in einer Gemeinschaftsunterkunft wie einem Alten- oder Pflegeheim bewohnen sowie verheiratete Berufspendler, die eine Zweitwohnung am Arbeitsort haben. In Bayern sind zudem Geringverdiener mit Jahreseinkünften bis zu 25.000 Euro von dieser Steuer befreit.

8. Doppelte Haushaltsführung: Welches Finanzamt ist zuständig?

Wer aus beruflichen Gründen einen Nebenwohnsitz hat, kann bestimmte Aufwendungen steuerlich als Werbungskosten geltend machen. Welches Finanzamt das Richtige ist, hängt davon ab, ob Sie verheiratet sind oder nicht. Wenn Sie verheiratet sind, ist das Finanzamt des Wohnortes Ihrer Familie für Sie zuständig. Sind Sie unverheiratet, müssen Sie sich an das Amt des Wohnorts wenden, an dem Sie sich überwiegend aufhalten. Das könnte gegebenenfalls auch das Finanzamt Ihres Zweitwohnsitzes sein.

Mehr zum Ummelden und weitere Umzugstipps finden Sie in unserem Ratgeber.

Christian Schütte

Christian Schütte

Umzugsberater

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